Deutsch   English  

Entwicklung von Rinderbeständen und Milchleistung in Deutschland

Die Rinderhaltung hat in Deutschland eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Rund 60 Prozent des Umsatzes in der Landwirtschaft werden durch die Tierproduktion generiert. Den größten Anteil daran hat die Milcherzeugung. Derzeit werden rund 12,7 Mio. Rinder in Deutschland gehalten, davon 4,3 Mio. Milchkühe und 670.000 Mutterkühe (Stand 2013).

Vor rund 80 Jahren, vor Beginn des zweiten Weltkrieges, wurden rund 12,1 Millionen Rinder im Bundesgebiet gehalten, davon knapp 6 Millionen Milchkühe. Die durchschnittliche Milchleistung betrug 2.480 kg pro Kuh und Jahr. Während der Kriegsjahre sank die Anzahl der Rinder um 6 % und lag im Jahr 1951 bei 11,3 Millionen. Davon waren 5,8 Millionen Milchkühe. 1951 betrug die durchschnittliche Leistung aller kontrollierten Kühe 3.890 kg Milch pro Kuh und Jahr.

In den 60er und 70er Jahren stieg der Bedarf an Milch und Milchprodukten sowie Rindfleisch in der Bundesrepublik kontinuierlich an. In den Jahren von 1950 bis 1980 stieg somit auch die Anzahl der gehaltenen Rinder um über 32,5 Prozent von 11,3 Mio. auf mehr als 15 Mio. Das war der bis heute höchste Rinderbestand in Deutschland.

Die Milchleistung pro Kuh und Jahr stieg im selben Zeitraum von 3.844 kg auf 4.553 kg, also um insgesamt 18,4 Prozent. In den Jahren 1975 bis 1980 betrug die durchschnittliche jährliche Leistungssteigerung 111,2 kg Milch pro Kuh und Jahr oder ca. 2,7 %. Für die milchkuhhaltenden Betriebe bedeutete diese Leistungssteigerung eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und eine Arbeitserleichterung. Die künstliche Rinderbesamung hatte sich zu einer gängigen Methode entwickelt und ermöglichte somit eine größere genetische Vielfalt und eine gezielte Anpaarung gewünschter Eigenschaften. Die Züchtervereinigungen und Besamungsorganisationen stellten zuchtwertgeschätzte Bullen als Vererber zur Verfügung. Auch verbesserte Haltungsbedingungen sowie eine optimierte Fütterung trugen in hohem Maße zu den steigenden Leistungen in der Milchviehhaltung bei. Verstärkt wurde die Leistungssteigerung auch dadurch, dass Betriebe mit unbefriedigender Wirtschaftlichkeit die Milchkuhhaltung aufgaben.

Nach der Wiedervereinigung wurden im Jahr 1990 erstmals die Rinderbestände der alten und neuen Bundesländer gemeinsam erhoben. In der Summe wurden 19,5 Mio. Rinder gezählt. Davon 5 Mio. in Ostdeutschland. In den alten Bundesländern betrug der Rinderbestand 14,5 Mio. Tiere, davon 5 Mio. Milchkühe. In den Folgejahren sanken die Bestände zunächst um rund 5 Prozent, später um rund 2 Prozent jährlich. Bis zum Jahr 2013 sank die Zahl der in Deutschland gehaltenen Rinder auf 12,7 Millionen. Gegenüber 1980 ist das ein Rückgang um 15,8 Prozent. Bei den Milchkühen liegt der Rückgang bei 23,1 Prozent.

Die Gründe für den Rückgang sind vornehmlich bei der zeitgleich gestiegenen Milchleistung pro Kuh zu suchen. Diese stieg von 4.553 kg pro Kuh und Jahr in 1980 auf 7.400 kg pro Kuh und Jahr in 2013 um 62,5 Prozent an. Die gesteigerte Leistung ermöglichte die Haltung weniger Kühe zur gleichbleibenden Versorgung der Bevölkerung mit Milch und Milchprodukten. Dies ermöglicht nicht nur dem Landwirt eine Kosten- und Arbeitsersparnis, auch die Umwelt wird weniger belastet. Die im Jahr 1984 eingeführte Milchquotenregelung in der Europäischen Union hatte die Milchproduktion mengenmäßig gedeckelt. Auch dies trug dazu bei, dass die Landwirte bei steigenden Leistungen ihrer Tiere die Bestände reduzierten.

Seit vielen Jahren hat in der Rinderzucht nicht mehr die Steigerung der Milchleistung die Vorrangstellung. Vielmehr stehen Aspekte der Fitness, Langlebigkeit und Nutzungsdauer im Vordergrund. Vor mehr als 20 Jahren wurde mit einer Ausrichtung der Zucht auf Tiergesundheit und Nutzungsdauer begonnen. Seit 2008 nehmen Gesundheits- und Fitnessmerkmale in der Milchviehzucht mit einem Anteil, je nach Milchnutzungsrasse, von bis zu 55 % einen höheren Stellenwert im Zuchtziel ein als die klassischen Leistungsmerkmale.

Eine hohe Milchleistung ist nur bei gutem Wohlbefinden der Kühe möglich. Nur eine gesunde Kuh mit stabilem Stoffwechsel, die in artgerechter Umgebung gehalten wird und hochwertiges Futter erhält, kann ihr Leistungspotential ausschöpfen. Das Wohlergehen der Kühe liegt im Interesse eines jeden Tierhalters.


Entwicklung Der Milchkuhzahlen Und Der Milchleistung Von 1935 Bis 2014