Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel: „Wir
haben heute im Auftrag aller Bundesländer den Zuschlag erteilt. Die
Impfstoffversorgung für Rinder, Schafe und Ziegen in Deutschland ist
gesichert!“
Der Hessische Minister für Umwelt,
ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Wilhelm Dietzel, hat heute in
Wiesbaden das Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens zur Bestellung von
Impfstoff gegen die Blauzungenkrankheit der Öffentlichkeit vorgestellt:
„Mit dem von der Hessischen Landesregierung durchgeführten
Ausschreibungsverfahren ist es gelungen, den vollständigen
internationalen Markt auszuschöpfen. Gerade hierdurch kam es unter
anderem zu dem Angebot eines spanischen Impfstoffherstellers, der CZV
Veterenaria S.A. aus Porriňo (Pontevedra), ohne den die frühzeitige
Deckung des deutschen Impfstoffbedarfs nicht möglich gewesen wäre.
Dieser spanische Hersteller liefert zum Beispiel den gesamten
Impfstoffbedarf nicht nur für die 350.000 Schafe und Ziegen in Hessen,
sondern für alle rund 3,6 Millionen Schafe und Ziegen in Deutschland.
Neben der Firma CZV wurden die Firmen Fort Dodge Veterinär GmbH aus
Würselen und der französische Impfstoffhersteller Merial aus Lyon bei
der Zuschlagserteilung berücksichtigt. Dem vierten Bewerber, der Firma
Intervet Deutschland GmbH aus Unterschleißheim, wurde mitgeteilt, dass
sein Angebot ungültig ist, weil er die Vertragsbedingungen der
Bundesländer umfassend ablehnte. Insgesamt bestellen wir heute
20.989.550 Impfdosen für ganz Deutschland, die einen Gesamtbestellwert
von rund 16.900.000 Euro haben. Das Auftragsvolumen für Hessen beträgt
rund 940.000 Euro. Wir freuen uns, dass die ersten Impfdosen dann ab
Mai geliefert werden!“
„Ein weiterer Vorteil des internationalen Ausschreibungsverfahrens
war, dass die Bundesländer sehr günstige Preise erzielen konnten.
Darüber hinaus haben die Hersteller die geforderten
Gewährleistungszusagen gemacht und die notwendigen
Sicherheitsleistungen zugesagt, die für die Bundesländer unverzichtbar
waren“, erklärte Dietzel und weiter: „Diese Bedingung war besonders
wichtig, weil selbst am heutigen Tage der Bestellung eigentlich noch
‚die Katze im Sack’ gekauft wird, da die angebotenen Impfstoffe noch
nicht zugelassen sind.“ Für Hessen, und die anderen Bundesländer war es
daher von entscheidender Bedeutung, dass die Impfung nur verantwortet
werden kann, wenn sich der Impfstoff im Zuge einer noch andauernden
Prüfung durch das Friedrich-Loeffler-Institut als geeignet und
unschädlich erweist. Dies ist auch für die Bundesregierung
entscheidend, da der Einsatz der nicht zugelassenen Impfstoffe in
Deutschland durch eine entsprechende Eilverordnung nach dem
Tierseuchengesetz ermöglicht werden soll.
„Erste Ergebnisse des laufenden Feldversuches in
Mecklenburg-Vorpommern sind vielversprechend“, zeigte sich Minister
Dietzel erleichtert und weiter: „Der Feldversuch an rund 2.000 Rindern
und rund 1.600 Schafen mit den jetzt bestellten Impfstoffen der Firmen
CZV, Fort Dodge und Merial hat schon in diesem frühen Stadium gezeigt,
dass wir uns wegen möglicher Impfschäden keine großen Sorgen machen
müssen. Dennoch bleibt ein Restrisiko bestehen, zumal wir noch keine
verlässlichen Daten über die Wirksamkeit der Impfstoffe haben“, so der
Minister. Mit dem Abschluss der Impfstudie ist bis Ende Mai zu rechnen.
„Wir sind daher froh, dass es uns gelungen ist, die unbestreitbaren
finanziellen Risiken der Impfstoffanwendung von den öffentlichen
Haushalten und den Tierhaltern fernzuhalten und die Hersteller zur
Übernahme dieser Risiken zu verpflichten“, führte der Minister über das
erfolgreiche Ausschreibungsverfahren weiter aus. Die Firma Intervet
Deutschland GmbH war mit diesen Gewährleistungsregelungen für den
„Katze-im-Sack-Kauf“ nicht einverstanden und konnte daher bei der
Auftragsvergabe nicht berücksichtigt werden. „Die heute mit den anderen
Bewerbern geschlossenen Verträge tragen unseren Anforderungen jedoch in
vollem Umfang Rechnung“, betonte Dietzel und erläuterte anschließend
zur Kostenfinanzierung: „Die Kosten der Beschaffung der Impfstoffe
teilen sich in Hessen das Land und die Tierseuchenkasse jeweils zur
Hälfte. Die Impfgebühren, also die Kosten der Impfung durch Tierärzte -
gehen in Hessen zu Lasten des Tierhalters. Die Tierseuchenkasse prüft
aber derzeit noch eine Kostenbeteiligung. Die Europäische Kommission
plant eine Kofinanzierung der Impfmaßnahme von 0,60 Euro je Impfdosis
und einmalig 2,00 Euro je Rind und 0,75 Euro je Schaf oder Ziege für
die tierärztliche Verabreichung des Impfstoffes. Diese Zahlen
relativieren sich aber, wenn man berücksichtigt, dass das Gesamtvolumen
der Kofinanzierung auf 17 Millionen Euro für Deutschland gedeckelt
werden soll. Allein die - kofinanzierungsfähigen - Nettokosten der
Impfstoffe betragen jedoch bereits rund 14 Millionen Euro. Da bleibt
für die Kofinanzierung der Impfanwendung nicht mehr viel übrig. Allein
in Hessen wird mit Impfgebühren von rund 2,6 Millionen Euro gerechnet.
Da muss jetzt erst mal abgewartet werden, ob die Kommission bereit ist,
das vorgesehene Budget zu erhöhen. Dann wird über eine finanzielle
Beteiligung des Landes an der Impfdurchführung zu entscheiden sein“, so
der Minister abschließend.